Gott im Fels

Einen Hochsitz gefunden, in den Fels gebaut. Wacholder duckt sich zwischen hellem Stein. Hier ist keiner, aber hier war mal einer. Der Bretterverschlag, aufgelöste Dachpappe und im Inneren eine Bank. Der Blick geht über Fichtenkronen. Nach unten Abhang. Wann hat einer wohl aufgehört zu kommen?

Jetzt treffen sich Rehe hier, auch ein paar Schmetterlinge sind da, wegen der Aussicht oder der lila Blüten, es hat sich herumgesprochen, dass sie köstlich sind. In letzter Zeit kommt auch Gott öfter her, er mag den Blick, besonders am späten Nachmittag, wenn die Sonne die Felsen milde macht. Mit den Felsen hat er immer gehadert, sie schienen ihm so schroff. Nie wusste man, woran man bei ihnen war. Versteinert ihr Blick und immer schwiegen sie. Nie, in all den Jahren nicht ein Wort. Lange nahm er ihnen das übel. Er fand, das hatte er nicht verdient. Die Schmetterlinge waren zutraulich, sie setzten sich auf seinen Arm. Immer fröhlich heiterten sie ihn auf.

Erst im Alter hat Gott die Felsen zu schätzen gelernt, hat sich mit ihnen versöhnt. Nicht angefreundet, das nicht, dafür bleiben sie zu fremd. Aber er hat begonnen zu ahnen, dass es welche geben muss, die einfach da sind und die bleiben, egal, was passiert auf der Welt.

Nach einer Weile steigt er wieder hinab, denn es wird Abend. Da sind sie Menschen nicht gern allein, und Gott ist es auch nicht.

 

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