Haus der Träume

Jakob kann nicht schlafen. Weil die Gedanken in seinem Kopf Hip-Hop tanzen und weil ihm der nächste Tag bevorsteht und ein Date, vor dem er Angst hat. Er steht auf und geht hinaus in die Nacht; ich stelle mir vor, wie er dasteht und in die Sterne guckt, sich eine Zigarette ansteckt und die Füße schneller kalt werden als der Rest.

Da wirft ihn etwas um. Ein Unbekannter reißt ihn zu Boden. Sie ringen miteinander, ich sehe sie kämpfen, keiner gewinnt, denn ums Gewinnen geht es nicht. Ich höre das Keuchen ihres Atems, keiner lässt los, keiner sagt: Lass uns reden. Die beiden ringen miteinander, bis das Morgenrot die Geister der Nacht vertreibt. Der Unbekannte versucht, sich loszureißen. „Ich lasse dich nicht gehen“, ruft Jakob, „gib mir erst deinen Segen.“ Er bekommt ihn, weil er darum gekämpft hat.

Die Geschichte ist uralt und sie ist meine Geschichte.

Ich will Jakob sein, der Gott den Segen abringt. Kein Ringelpiez, kein frommes Gerede, niemand sagt „zauberschön“. Aber es ist echt.

Jakob sagt, Gott sei manchmal zum Greifen nah.

Wohl eher handgreiflich, sage ich.

Das sei die andere Seite, sagt er. Wenn du nicht in einer Wattewelt leben willst. Kann sein, dass er dich umhaut.

 

                                                                                                                                 Weiterhören oder lesen: Haus der Träume im Deutschlandfunk

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