Jesus kommt (überraschenderweise auf den Schlachthof)

Als Jesus auf den Schlachthof kommt, wird gerade eine Ladung Schweine geliefert. Die Schweine sind aufgeregt und quieken, aber nicht wegen Jesus, sondern weil es nach Tod riecht. Schweine sind feinfühlige Geschöpfe, die gern leben. Jesus kommt zu Fuß. Eigentlich hatte er einen Esel dabei, aber der Esel streikt. So einen Ort betritt er nicht. Und Jesus hat noch nie irgendwen zu irgendwas gezwungen. 
Die Kälber sind die ersten, die ihn bemerken, vielleicht, weil er was Mütterliches an sich hat. "Wer ist das?", fragen sie. "Jedenfalls kein Schlachter", brüllt ein Rindvieh. Jesus krault ihm die Stirn und inmitten des Schreiens und Quiekens, der Bolzenschüsse und Knochensägen um sich herum wird es plötzlich ganz ruhig. Jesus hat ein paar Freundinnen bei sich, die binden die Tiere los. „He", ruft ein bulliger Schlachter, "was soll das?" Seine Schürze ist blutverschmiert. „Fürchte dich nicht", sagt Jesus. „Ich bin der Retter der Schweine und Kälber, der Lämmer und Küken, der Rinder und ihrer Mörder." (Jesus hatte schon immer eine Schwäche für große Worte.) Dann legt er einen Schalter um, und alle Maschinen stehen still. Für einen Moment ist kein Laut zu hören, nur ein einziges Lämmchen macht „Mäh", weil es noch nicht verstanden hat, was gerade geschieht. „Macht hoch die Tor, die Tür macht weit", ruft Jesus und es ziehen aus die Schafe und Küken und die Rinder tragen ihre Bedränger auf dem Rücken und ein Kalb kuschelt sich an die Hüfte des Fleischhauers und draußen liegen die Wölfe bei den Lämmern, Kalb und Löwe grasen miteinander und zu Weihnachten gibt es Veggie-Schnitzel.

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Kommentare: 14
  • #1

    Andreas (Montag, 15 Dezember 2025 23:45)

    Macht hoch die Tür, die Tor macht weit
    Sind wir dazu bereit ?

  • #2

    Gregor (Dienstag, 16 Dezember 2025 08:46)

    Jesaja konkret! Was wäre alles möglich, wenn sich Menschen auf diesen Traum einlassen würden? - Ich glaube jede Menge!!! Vielen Dank für diesen mitmachenden Text.

  • #3

    Tina aus Münster (Mittwoch, 17 Dezember 2025 19:04)

    Liebe Susanne,
    deine wunderbaren, sinnigen Texte lassen mich immer wieder laut lachen, welch große Bereicherung!
    Danke dafür!

  • #4

    Gundolf (Donnerstag, 18 Dezember 2025 16:25)

    Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, dann, so bin ich mir sicher, wird es auch Frieden geben, denn der kann dann durch das weite Tor einziehen.
    ———
    BTW: »Macht hoch die Tür« im Freylinghausenschen Gesangbuch, 17. Auflage 1734, ist dort mit dem Titel »Christi ins Fleisch« überschrieben, irgendwie passend ...

  • #5

    G. Färber OStR (Montag, 29 Dezember 2025 16:19)

    Ihre Texte sind eine Verarschung der Bibel und des Glaubens ! Zum Kotzen !!!

  • #6

    *freudenwort (Montag, 29 Dezember 2025 17:37)

    Liebe*r G. Färber,
    wenn Sie wirklich Oberstudienrat sind, überrascht mich Ihre Wortwahl. Meine Schulzeit ist schon eine Weile her - ist das jetzt der Ton?
    Wenn Sie meine Texte so fürchterlich finden, empfehle ich: einfach was anderes lesen. Zum Glück ist die literarische Landschaft weit und artenreich.
    Mit freundlichen Grüßen, Susanne Niemeyer

  • #7

    D. Eikmeier (Montag, 29 Dezember 2025 17:52)

    Sehr geehrte Frau Niemeyer, ich habe ihre Texte erst i. Diesem Jahr entdeckt. Ich bin Pastor, fröhlicher, bekennender und überzeugter Christ, kein Vegetarier oder gar Veganer! leidenschaftlicher Predigthörer und immer wieder selber Prediger. Ich feiere Ihre Texte! Ich könnte aus jedem einzelnen eine ganze Predigt machen.
    Vielen Dank für die erheiternden und anregenden Ideen!
    D. Eikmeier

  • #8

    Gregor (Dienstag, 30 Dezember 2025 10:00)

    Es gibt Menschen, die in ihrem Denken und Handeln sehr ‚eng‘ sind. Ein wenig mehr ‚jesuanische’ Leichtigkeit würde uns allen sehr gut tun. Finde ich….. ❣️

  • #9

    Gundolf (Dienstag, 30 Dezember 2025 21:16)

    Oje, wie kann ein OStR so entgleisend daherkommen? Da hat ja selbst der Oberschulrat in »Die Feuerzangenbowle« mehr Humor.

    Liebe Susanne,
    bleib behütet und lass dir weiterhin viele tolle Geschichten einfallen, auch solche mit / zum Anecken, auch Jesus ist angeeckt, dass sollte wir uns immer wieder in Erinnerung rufen.
    Mit weihnachtlichen Grüßen aus Kreuzberg, Gundolf

    P S.: @Gregor �

  • #10

    Caroline (Samstag, 03 Januar 2026 16:57)

    Unglaublich, nun sind die sogenannten "Hater" sogar hier, an einem virtuellen Ort, der friedlicher und freundlicher gar nicht sein kann.

  • #11

    Andrea (Mittwoch, 07 Januar 2026 15:21)

    Danke für all die kunterbunten Texte und Anstöße!! Ich freue mich immer wieder darüber! Ein bisschen Irritation tut gut und bringt zum Nachdenken und Schmunzeln. Danke für’s kreative Ins-Wort-Bringen! Dieses Talent ist offensichtlich nicht jedem gegeben, Herr OStR. Mir wäre es Angst und Bange, wenn eines unserer Kinder Ihrer vulgären, vereinnahmenden und aggressiven Sprache ausgesetzt wäre. Vielleicht tut Ihnen ja ein bisschen Schneeknistern gut … Versuchen Sie es doch mal, das beruhigt und macht frei.

  • #12

    Simone (Donnerstag, 08 Januar 2026 19:56)

    Liebe Frau Niemeyer, herzlichen Dank für ihre erfrischenden Texte und den Mut zu "Möglichkeitsräumen" (Das Wort hab ich bei Ihnen gelernt :-)) ...) Bei Jesaja 2 findet sich "man übt nicht mehr für den Krieg". Entwaffnen wir unsere Sprache, wählen wir friedliche Bilder, die gut tun. Als Schulseelsorgerin habe ich schon einige Ihrer Gedanken weitergegeben und so freue ich mich auf weitere Inspirationen!

  • #13

    Marion (Sonntag, 18 Januar 2026 10:49)

    Liebe Susanne, ich freue mich immer sehr Texte von dir zu lesen. Sie zaubern einem IMMER ein Lächeln auf die Lippen. Weiter so!!!!
    Herzliche Grüße Marion

  • #14

    Evelyne Schertlin (Sonntag, 25 Januar 2026 16:43)

    Danke für all das bunte und wunderbare, für Worte die aufwirbeln, für Gedanken die Knallbonbons sind. Wen stören denn die Damen, die niemals Ringelstrümpfe tragen durften.
    Ich bin mir sicher, niemand hat jemals eine ihrer kinderzeichnungen mit bunten Magneten am Kühlschrank befestigt. Also einfach Zewa drüber und weiter lachen.

    Susanne bleib sonnig !

 

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