Anfängergeist

Lieber Geist des Anfangs, ich glaube nicht an Gespenster. Obwohl ich sonst an alles Mögliche glaube. Zum Beispiel, dass mich ein Glas heißes Wasser besser durch den Tag bringt. Ich vertraue linksdrehenden Joghurtbakterien. Oder, dass kleine Kügelchen gegen allerlei Wehwehchen helfen, obwohl ich dafür keine Erklärung besonders logisch finde. Aber Geister? Da denke ich an Bettlaken mit Augen. Nur an dich, an dich glaube ich. Du Geist des Anfangs. Du machst mich neugierig. Du forderst meinen Mut heraus. Du bist der Atem Gottes und du kannst auch Sturm. Allerdings hast du dich in vergangener Zeit etwas rar gemacht. Wann habe ich zuletzt etwas zum ersten Mal getan? Ich weiß, dafür muss ich meine Komfortzone verlassen. Das sagst du immer. Sonst kann ich höchstens zu knüpfen beginnen. Wir wissen beide, dass das ausscheidet. Aber: Klettern, auf eine Kontaktanzeige antworten, stepptanzen, auf zwei Fingern pfeifen, Karaoke singen, Künstlerin sein, das Wort ergreifen, Akkordeon spielen, eine Kuh melken, eine Geschichte verschenken, Italienisch lernen? Lieber Geist des Anfangs, wir sollten uns wirklich mal wieder treffen. Ich überlege mir etwas, das ich schon immer mal ausprobieren wollte. Ob ich darin eine Meisterin werden oder nur mal reinschnuppern will, spielt keine Rolle. Auch nicht, ob es einen objektiv messbaren Nutzen hat. Ich bringe Mut, Aufmerksamkeit und Neugier mit und du zeigst mir, was ich kann. Abgemacht?

 

* kann man auch hören: NDR Radiokirche

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