Superstar

Als ich die Vierzig deutlich überschritt, nämlich einundvierzig wurde, stellte ich fest, dass ich kein Kind, kein Haus, kein Auto habe. Und meine Fingernägel könnten gepflegter sein.

„Willst du denn Kind, Haus, Auto und lackierte Nägel?“, fragte eine schlaue Stimme in mir. Ich zuckte mit den Schultern: „Die anderen haben es.“ Natürlich wusste ich sofort, dass das eine schlechte Antwort ist. Sie hat mich schon in Kindertagen disqualifiziert. Annettes Karriere ist steiler, Fridas Mann hübscher und fünf von zehn Freunden sind schon einen Marathon gelaufen. Das ist das Schlimme am Vergleichen. Es endet nie.

Wahrscheinlich war das der eigentliche Grund, warum Gott den Babelturm zum Einsturz brachte. Er hatte keine Angst vor der Größe der Menschen. Er fürchtete ihren Vergleich. Er ahnte, dass schon bald der nächste kommen und sagen würde: Das kann ich aber höher. Und dann käme wieder der nächste und wieder bis die Welt voller sinnloser Türme wäre. Also schnipste Gott den ersten Turm um und dachte, damit sei die Sache erledigt. Keine Türme, keine Vergleiche. Das war natürlich naiv. Er ahnte noch nichts von den Superstars und den Next Topmodels, von den Boot- oder Dschungelcamps der Zukunft. In denen Leute sich nicht nur selbst vergleichen sondern auch noch anderen das Urteil überlassen. Als wäre die wesentliche Frage im Leben: Bin ich schöner, schneller, schlauer, mutiger als du? Dabei ist die Frage einzig: Wer bin ich?

 

Und noch einmal auch zum Hören: Moment mal auf NDR 2

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